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  Mehrgenerationenhaus mit Niedrigenergiestandard

 

Abstand und Nähe

 

Früher war es ganz normal, dass Eltern, Großeltern und Kinder unter einem Dach lebten, den Alltag miteinander verbrachten und füreinander sorgten. Heute sind Großfamilien eine Ausnahme. Die Generationen leben räumlich wie sozial unabhängig voneinander. Gleichzeitig wird aber auch nach neuen Formen des generationenübergreifenden Lebens und Wohnens gesucht. Abstand und Nähe, Privatheit und Gemeinschaft charakterisieren das Wohnmodell „Mehrgenerationenhaus“. Wie sich diese gegensätzlichen Forderungen zusammenführen lassen, zeigt ein Einfamilienhaus in der Gemeinde Seevetal südlich von Hamburg.

 

Ein Haus aus zwei Häusern

Zwei separate und doch zusammen gehörende massive Baukörper bieten Platz für drei Generationen. Wie eine Brücke verbindet das Arbeitszimmer im ersten Stock das “Haupthaus” mit dem kleineren “Einliegerhaus” und dient gleichzeitig als Carport-Überdachung. Trotz dieser baulichen Kopplung existiert im Haus keine Verbindung zwischen den Bauten – wer die Großmutter im „Einliegerhaus“ besuchen will, muss den Weg über den Garten einschlagen.

 

Beide Gebäudeteile werden von einer gemeinsamen Heizung versorgt, die sich im Keller des “Haupthauses” befindet und aus einer gasbefeuerten Brennwertanlage besteht. Sie kann nachträglich durch eine solarthermische Anlage ergänzt werden. Auch für eine spätere Nachrüstung des „Haupthauses“ mit einem offenen Kamin ist vorgesorgt. Die dafür nötigen Schornsteinanschlüsse sind bereits vorhanden. Eine weitere gemeinsame Einrichtung stellt die Kleinkläranlage dar: Weil das Baugebiet über keinen Anschluss an die öffentliche Kanalisation verfügt, findet die Sammlung bzw. Klärung des Brauchwassers vor Ort statt. Das gereinigte Wasser versickert anschließend im Garten. Regenwasser wird nicht einfach abgeleitet, sondern in einer Zisterne als Gießwasser für den Garten gesammelt – ökologische Feinheiten, die sich stimmig in das Gesamtkonzept einfügen.

 

Solarer Zugewinn

Das Gebäude ist so ausgerichtet, dass eine optimale passive Nutzung der Solarenergie möglich wird. Die Südseiten öffnen sich mit raumhohen Glasflächen fast vollständig zur Sonne hin, während die Nordseiten nur kleine Fenster aufweisen. Hier befinden sich die Nebenräume wie zum Beispiel das Badezimmer, während Wohn- und Schlafräume sowie die offene Küche zur wärmenden Sonne hin weisen. Die nördliche Front zeigt mit ihrer unbehandelten Lärchenholz-Stülpschalung ein völlig anderes Gesicht als die südliche, verputzte Seite. Betont wird diese Trennung durch die unterschiedlichen Dachformen: auf der Südseite ein Pultdach, auf der Nordseite ein begrüntes Flachdach. Der Überstand nach Süden bietet genügend Abschattung gegen die Einstrahlung der hoch stehenden Sommersonne.

 

Trotz ihrer unterschiedlichen Optik sind beide Gebäudeseiten aus dem gleichen Grundbaustoff: einem massiven Mauerwerk aus POROTON-Planziegeln. Die holzverschalte Nordseite besteht aus einem 17,5 Zentimeter starken tragenden Ziegelmauerwerk, auf das eine acht Zentimeter dicke Mineralfaserdämmung folgt. Nach Süden hin wählten die Architekten ein monolithisches Mauerwerk aus 36,5 Zentimeter POROTON-Planziegeln. Zusammen mit dem zusätzlichen mineralischen, drei Zentimeter dicken Wärmedämmputz ergibt sich so eine hoch dämmende Außenwand, die Niedrigenergiestandard garantiert und zusätzlich Sonnenenergie speichert.

 

Eingeschossig und doch zwei Ebenen

Insgesamt bietet das „Haupthaus“ 157 Quadratmeter Wohnfläche. Hinzu kommen 65 Quadratmeter an zusätzlicher Nutzfläche, die vor allem aus dem Kellergeschoss resultiert. Weil das Grundstück an einem leicht geneigten Hang liegt, lässt sich der Keller auch noch in Teilen zum vollwertigen Aufenthaltsraum ausbauen – ausreichend Platz also für die fünfköpfige Familie. Doppelverglaste Fenster aus Holz, der Verzicht auf Montageschäume und Glaswolle folgen dem Wunsch des Bauherren nach gesundheitlich und ökologisch unbedenklichen Baustoffen - die Verwendung von POROTON-Ziegeln kommt diesem Anliegen optimal entgegen. Innen nur von einem 1,5 Zentimeter dicken Kalk-Putz bedeckt, sorgen ihre wärme- und feuchtigkeitsspeichernden Eigenschaften für ein angenehmes Raumklima.

 

 


Bautafel

Architekten: Freistil Architekten, Hamburg

Baujahr: 1998

Grundstücksgröße: 1345 qm

Wohnfläche: Einfamilienhaus 156,60 qm

Einliegerwohnung 49,10 qm

Zusätzliche Nutzfläche:65,36 qm

Baukosten: 495.000 DM (ohne Grundstück)

Rohbau

Außenwände: Südseite: 36,5 cm POROTON-Ziegelmauerwerk,Wärmedämmputz

Nordseite: 17,5 cm POROTON-Ziegelmauerwerk, Wärmedämmung,Stülpschalung

Mittlerer U-Wert der Außenwände: 0,28 W/m2K

Dach: Sparrenkonstruktion, hinterlüftet

20 cm dicke Dämmung aus Steinwolle

Dachhaut: 0,8 mm dicke Titanzinkdeckung in Doppelstehfalztechnik


 





Getrennt und doch zusammen: Das Arbeitszimmer verbindet wie eine Brücke das „Haupthaus“ mit dem kleineren „Einliegerhaus“.





Der Sonne zugewandt: Nach Süden öffnen sich die beiden Baukörper mit raumhohen Glasflächen. Die POROTON-Wände speichern die Sonnenenergie.





Platz für die ganze Familie bietet der großzügige, lichtdurchflutete Wohnbereich.


Fotos: Deutsche POROTON GmbH